Getreide ist das neue Gold

Von Frank Seidlitz 25. Oktober 2009, 04:00 Uhr

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Ein Wettlauf um Ackerböden und Rohstoffquellen ist entbrannt. Reiche Schwellenländer wie Saudi-Arabien und Wachstumsriesen wie China sichern sich weltweit Land und Anbaulizenzen. Die Uno warnt schon vor einem “Neokolonialismus”. Die Regierungen der Industriestaaten sind alarmiert, denn das Ringen um Nahrungsmittel- und Ölversorgung droht politische Konflikte zu provozieren

Die Unterschrift kostete Marc Ravalomanana sein Amt. Schon in den Wochen und Monaten vor dem Vertragsabschluss zwischen der Regierung Madagaskars und dem südkoreanischen Daewoo-Konzern rumorte es auf der Insel vor Afrika gewaltig. Ravalomanana löste einen regelrechten Bürgerkrieg aus: Dem Präsidenten wurden ein diktatorischer Regierungsstil und massive Korruption vorgeworfen. Der Vertrag mit Daewoo war dann nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der 59-Jährige die Hälfte des fruchtbaren Ackerlandes Madagaskars verscherbeln wollen. Auf rund 1,3 Millionen Hektar hätte Daewoo über 99 Jahre etwa Futtermais für Südkoreas Schweine anbauen können. Dabei ist Madagaskar selbst auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Im Februar stürzte er dann über diesen Landverkauf.

Das war ein vorläufiger Höhepunkt einer Entwicklung, die in Zukunft für noch heftigere Auseinandersetzungen und Wirtschaftskonflikte sorgen könnte: “Offshore Farming”. Kritiker nennen es schlicht “Landraub”. Der weltweite Wettlauf um Grund und Boden hat in den letzten beiden Jahren enorme Ausmaße angenommen. “Nach den Rekordpreisen beim Öl drohen nun Preisexplosionen bei Agrarböden und Rohstoffen und neue Verteilungskämpfe um die knappen Güter”, warnt ein ranghoher Diplomat des Auswärtigen Amtes. Der Daewoo-Vertrag mit Madagaskar ist dafür der beste Beleg und reiht sich in eine Entwicklung ein, die derzeit stark an Geschwindigkeit gewinnt.

Reiche Ölstaaten und boomende Schwellenländer sichern sich weltweit immer mehr Agrarflächen, Abbaugebiete für seltene Rohstoffe und exklusive Lizenzen für die eigene Ölversorgung. Experten schätzen, dass allein in Afrika innerhalb von drei Jahren rund 20 Millionen Hektar an ausländische Investoren gegangen sind. Unter denen, besonders brisant, befinden sich immer öfter auch staatliche Akteure. Jacques Diouf, der Chef der Welternährungsorganisation FAO, warnt daher bereits vor einem “Neokolonialismus” und neuen Abhängigkeiten in der Weltwirtschaft.

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